Der Flexible Schulanfang

Im Sommer 2007 wurde nach mehrjähriger Planungs- und Vorbereitungszeit an der Grundschule Simmershausen der "Flexible Schulanfang" eingeführt.

 

Was ist der Flexible Schulanfang?

Der Flexible Schulanfang hat das Ziel, leistungsschwache und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler gleichermaßen und individuell zu fördern. Um dies umzusetzen, findet im Flexiblen Schulanfang jahrgangsübergreifender Unterricht statt. An unserer Schule gibt es derzeit drei Klassen, in denen jeweils Erst- und Zweitklässler gemeinsam unterrichtet werden: die Eulen-Klasse, die Pinguin-Klasse und die Löwen-Klasse.

Jedes Kind hat ein individuelles Lerntempo. Manche Kinder lernen schnell und manche lernen langsam. Durch die jahrgangsübergreifende Zusammensetzung der Klasse findet bereits eine innere Differenzierung statt. Leistungsstärkere Erstklässler können von und mit den Zweitklässlern lernen und leistungsschwächere Zweitklässler können den Unterrichtstoff der Erstklässler mit verfolgen bzw. wiederholen.

 

Wie wird der Flexible Schulanfang an unserer Schule umgesetzt?

Jede Woche findet ein Planungstreffen aller Lehrer statt, die in der Flexiblen Eingangsstufe unterrichten. An diesem Nachmittag werden die Inhalte der nächsten Zeit und vertieft der folgenden Woche geplant und abgesprochen. Dies garantiert, dass in allen Klassen inhaltlich dasselbe gelehrt und behandelt wird. Dies bedeutet natürlich nicht, dass zur selben Zeit in allen Klassen auch dasselbe und auf dieselbe Art und Weise oder mit identischem Arbeitsmaterial unterrichtet wird.

Bereits im Flex arbeiten wir mit ersten Tages- und Wochenplänen. Dies gewährleistet einerseits eine innere Differenzierung, da jedes Kind seinem Arbeitstempo entsprechend arbeiten kann und andererseits auch Zeiträume, in denen sich Lehrer um einzelne Schülerinnen und Schüler kümmern können. Unsere ausgewählten Arbeitsmaterialien fördern dies in großem Maße.

Des Weiteren sind unsere Klassenräume so angelegt, dass jeder Raum auch über eine Sitzecke mit Sitzbänken verfügt. Somit können auch jahrgangsspezifische Lehrgänge oder Einführungen (Buchstaben, mathematische Regeln, etc.) unproblematisch durchgeführt werden: während eine Jahrgangsstufe der Klasse im Tages- oder Wochenplan weiterarbeitet, trifft sich die andere Jahrgangsstufe mit der jeweiligen Lehrkraft in der Sitzecke beispielsweise zu einem Einführungskurs oder zur Hausaufgabenbesprechung. Natürlich erfordert dieses methodische Vorgehen intensive Vorbereitungen der Kinder vor allem im Bereich der Klassenregeln. Die Kinder gewöhnen sich jedoch meist schnell daran.

 

Wie wird Einzelförderung geleistet?

Zu jeder Flexiblen Eingangsstufe gehört eine Sozialpädagogin, die Lehrkräfte und Schüler begleitet. Leider ist diese nur noch zwei Stunden pro Woche mit jedem Kollegen und jeder Kollegin der Eingangsstufe gemeinsam im Unterricht. D.h. allerdings, dass in dieser Stunde zwei Lehrkräfte bzw. Ansprechpartner in einer Klasse anwesend sind. Diese Doppelsteckung soll vor allem der Sozialpädagogin die Möglichkeit geben, Entwicklungen einzelner Kinder zu beobachten und ggf. in Rücksprache mit der Lehrkraft und den Eltern eine zusätzliche Förderung oder eine Forderung zu vereinbaren.

Eine mögliche Einzelförderung, die während des Unterrichts stattfindet, dauert meist zwischen 10 und 30 Minuten. Zusätzlich finden derzeit (leider nur noch) 2x pro Woche in der 5. bzw. 6. Stunde weitere Förderungen/Forderungen von Schülerinnen und Schülern durch die Sozialpädagogin statt. In dieser Zeit werden durch die Sozialpädagogin verschiedene Bereiche gefördert. Hierzu zählen u.a.: Psychomotorik, Grob- und Feinmotorik, Konzentrations- und Ausdauertraining sowie das Nachholen oder Wiederholen von unterrichtlichen Inhalten (für detailliertere Informationen über die Aufgabenfelder unserer Sozialpädagogin klicken Sie bitte hier).

 

Was für Vorteile hat der Flexible Schulanfang?

In Regelschulen geht der Unterricht für leistungsstarke und leistungsschwache Kinder gleichschrittig voran. Alle Kinder lernen denselben Unterrichtsstoff zur selben Zeit. Genau an dieser Stelle müssen nun leistungsschwächere und leistungsstärkere Kinder durch die Lehrkraft individuell gefördert, d.h. differenziert werden. Meist geschieht dies auch. Im jahrgangsübergreifenden Unterricht haben die Schülerinnen und Schüler viel breiter gefächerte Möglichkeiten, sich mit den Unterrichtsthemen mithilfe von anderen älteren, aber auch mithilfe von jüngeren Kindern auseinanderzusetzen. Dadurch können sie sich eigenständig und kindgemäß zusätzlich nötige Unterstützung einholen. Natürlich fällt an dieser Stelle der Lehrkraft die Aufgabe zu, dies zu ordnen und hierfür geeignete methodische Rahmen in den Unterrichtssequenzen zu schaffen.

Ein Hauptvorteil für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler des Flexiblen Schulanfangs liegt darin, dass sie generell drei anstatt zwei Jahre in der Eingangsstufe lernen können. Hierbei bleibt eine Schülerin oder ein Schüler nicht „sitzen", sondern bekommt für den zu lernenden Unterrichtsstoff einfach ein Jahr länger Zeit. Dieses zusätzliche Jahr zählt dabei nicht als „sitzengeblieben".

Ein Hauptvorteil für leistungsstärkere Erstklässler besteht andersherum darin, dass sie ggf. am Unterrichtsstoff der Zweitklässler teilnehmen können und auf Antrag im Idealfall ein Jahr früher in die dritte Klasse versetzt werden können.

 

Was lernen die Kinder im Flexiblen Schulanfang!

Die Bildungsstandards und die Lerninhalte für die Jahrgangsstufen 1 und 2 bilden auch weiterhin die Grundlage für den Unterricht. Allerdings werden diese in der Flexiblen Eingangsstufe methodisch vielfältiger und auf die Bedürfnisse der Kinder noch genauer abgestimmt vermittelt.

 

Bitte beachten Sie: Dieser Text hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und beschreibt den derzeitigen Stand (09/2016) der Umsetzung des „Flexiblen Schulanfangs“ an der Grundschule Simmershausen aus Sicht der Klassenlehrerinnen und -lehrer.